100 Doggen in Not!


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    2000

    Jahrelang mußten bis zu 160 Doggen bei einem skrupellosen Züchter in Niedersachsen leiden, weil die Behörden schlampten. Im September konnten Tierschützer die sanften Riesen endlich befreien - todkrank und fast verhungert. Aber der Paragraphen-Hickhack geht weiter. Die Zukunft der gequälten Tiere ist ungewiß.

    Seit 30 Jahren arbeiten Gisela und Klaus-Peter Schönfelder im Tierschutz: "Wir haben schon viel Leid gesehen", sagt das Ehepaar aus Rehburg-Loccum. Doch was sie im Juli 1999 auf einem heruntergekommenen Bauernhof in Ehrenburg bei Twistringen entdecken, macht sie fassungslos: Zu jeweils fünft eingezwängt vegetieren weit über 100 Doggen in winzigen, völlig verdreckten Verschlägen dahin. Sie haben Bißwunden - entstanden beim Futterkampf um verschimmelte Brötchen. Sie sind mit Tumoren übersät, haben Augen-Entzündungen, Pilz-Befall, sind entsetzlich abgemagert. Sie sind nie über Wiesen gelaufen, nie an einer Leine gegangen, nie gestreichelt worden. Schönfelders setzen sofort alle Hebel in Bewegung, um den Doggen zu helfen - und bringen dabei Unglaubliches zu Tage:

    Seit Juni 1998 sind die Machenschaften von Hundezüchter Hans-Heinrich Bohling den Behörden bekannt. Gleich mehrere umliegende Tierschutz-Vereine haben Anzeige gegen den 64-jährigen erstattet. Der Tierschutzbund hat schon 1998 angeboten, eventuell beschlagnahmte Hunde zu versorgen. Nichts ist passiert.

     

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    Tierpfleger Axel Brakebusch (30), der nach fünf Monaten Arbeit bei Bohling verzweifelt kündigt, schlägt im September, Oktober und Dezember 1998 sowie im Februar 1999 beim Veterinäramt Diepholz Alarm: "Fast jeden Morgen lagen tote Welpen in der Futterküche, die Herr Bohling später hinter dem Haus vergraben hat." Doch Brakebusch (seine eidesstattliche Erklärung liegt der Presse vor) wird abgeblockt. "Ich hab dann aufgegeben", sagt der Doggen-Liebhaber mit Tränen in den Augen.

    Ende Juli 1999 kontrollieren die Amtstierärzte die Bohling-Zucht zum letzten Mal - ohne Beanstandungen! "Aber wir wissen heute", sagt der stellvertretende Gemeindedirektor Wolfram van Lessen, daß Herr Bohling uns nicht alle Tiere gezeigt hat, da wurden Doggen versteckt."

    So konnte der völlig verschuldete Züchter seine Tiere jahrelang als "Wurf-Maschinen" mißbrauchen. Die Schönfelders und ihre Freundin Anne Kessebohm sind die ersten, die etwas dagegen tun. Sie sammeln Geld, verschulden sich. Sie besorgen Futter, kaufen 60 Hunde frei (350 bis 500 DM pro Tier), bauen auf ihrem Grundstück ein Doggen-Gehege, pflegen die Tiere gesund, finden für fast alle neue Herrchen und Frauchen. Fünf erwachsene Doggen und über zehn Welpen suchen aber noch ein neues Zuhause (Infos, auch übers Spendenkonto: Tel. 05037-978927).

    Die restlichen Doggen werden erst gerettet, als das Bohling-Gebäude zur Zwangsversteigerung ansteht: Am 10. September "stürmen" Tierschützer unter Polizeischutz das Gelände. Viele der verängstigten Hunde sind so schwach, daß sie vom Hof getragen werden müssen. Sie kommen in Tierheime.

    Und, wird nun endlich alles gut? Zunächst sieht es so aus: Bohling bekommt Tierhalte-Verbot. Außerdem läuft gegen ihn ein Strafverfahren wegen Tierquälerei, gegen den Amtstierarzt eine Fachaufsichtsbeschwerde. Die Hunde - in den Tierheimen sind schon über 40 Doggen-Welpen Geboren - erholen sich langsam. Sie hätten, besonders die unbelasteten Welpen, noch die Chance auf eine glückliche Hunde-Zukunft.

    Tierschutzbund-Chef Wolfgang Apel verspricht jetzt: "Diese Hunde lernen gerade mühsam, keine Angst mehr vor Menschen zu haben. Freiwillig geben wir sie nicht zurück. Wir werden sie in gute Hände vermitteln!"