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18.3.2001 |
Der
Hunde-Schlächter von Kiew BamS, 18.03.01 von Eva
Goris/Klaus Becker
Treffpunkt ist die Kellerbar des
"Kreschatik"-Hotels im Zentrum von Kiew. Nikolai wirkt ein bisschen abgehetzt,
er kommt direkt von der Arbeit. "Viel zu tun heute", sagt er dem Übersetzer,
"aber alles gut gelaufen." Noch im Stehen bestellt der junge Ukrainer Wodka,
dann gibt er uns die Hand: "Ihr könnt mich Kola nennen." Kolas Hand ist klein,
fast zartgliedrig - die Hand eines Hundeschlächters. Der 21-Jährige lebt mit
einer Freundin in einem Vorort, hat keine Kinder und war früher bei der
ukrainischen Eisenbahn angestellt. "Für 90 Grivna im Monat habe ich Waggons
gereinigt." 90 Grivna - das etwa 30 Mark; heute verdient Kola das Zehnfache.
"Und manchmal auch viel, viel mehr. Sein Job: Zwischen vier und acht Uhr
morgens fährt er mit zwei weiteren Männern im blauen Transporter durch Kiew -
auf der Suche nach Hunden. Die Männer wissen, wo sie ihre Beute finden: in der
Nähe von Wochenmärkten, Wohnsiedlungen und Geschäften. Die Hundeschlächter
locken die Tiere mit Fleischködern, betäuben sie mit Giftpfeilen aus Blasrohren.
Das Gift lähmt zwar in Minutenschnelle, aber es tötet nicht. Deswegen sind viele
Hunde noch bei Bewußtsein, wenn die Schlächter an die Arbeit gehen: Sie
schlitzen den winselnden Tieren die Bäuche auf, ziehen ihnen das Fell sorgfältig
ab. Bei lebendigem Leib! Die Felle verkaufen sie an Unternehmen, die daraus
Mützen, Handschuhfutter oder Fell-Applikationen fertigen. Hundefett vom Fell
abgeschabt, kommt als Heilmittel gegen Tuberkulose in den Handel. Die Kadaver
landen in einer Tiermehlfabrik, etwa 45 km von Kiew entfernt. Kola hat kein
schlechtes Gewissen, er ist froh, dass er den Job machen darf. "Gutes Geld" sagt
er, "gutes Leben". 400 bis 500 Hunde tötet er im Monat, "ein großer Hund liefert drei Liter Fett - das bringt noch mal
100 Dollar extra". Trächtige Hündinnen lassen die Schlächter leben: "Die
sichern uns den Nachschub." Oder sie schneiden sie auf, holen die Welpen aus dem
Bauch, verschachern ie an den Auftraggeber. Kolas Chefin ist eine Frau. Nina
Samofalowa. Ihre Mörder-GmbH trägt den harmlosen Namen "Tiere in der Stadt",
und in "guten Jahren" töten ihre Killer bis zu 40 000 Tiere. Die letzten Jahre
müssen für die Samofalowa sehr gut gewesen sein, denn heute ist die Innenstadt
von Kiew fast hundefrei. Deshalb fahren die Schlächter mittlerweile bis in
die Außenbezirke - und sie greifen sich nicht nur herrenlose Hunde.... Gibt
es etwas, das Kola fürchtet? "Ja", sagt er Mann mit dem ernsten Kindergesicht.
"Ich glaube an Gott. Und deshalb habe ich Angst, dass eines Tages die Flüche
wahr werden, die mir die Menschen hinterherrufen."
Zunächst locken die Hundeschlächter die Tiere durch Pfiffe oder Köder an.
Die Hunde kommen angelaufen, wedeln
erwartungsvoll mit dem Schwanz, dann trifft sie aus kurzer Distanz ein mit
Nervengift präparierter Pfeil aus dem Blasrohr. Der Hunde-Töter schleift das
wehrlose Tier durch den Schnee. Das Nervengift wirkt lähmend aber nicht tödlich.
Deshalb schlägt das Herz des Hundes noch, er hechelt und schnauft im
Todeskampf. An den Hinterläufen schneiden die Hundeschlächter das Tier auf,
um ihm das Fell abzuziehen. Der Körper des Hundes ist noch warm, als die Männer
mit ihrer "Arbeit" beginnen.
Eine Münchnerin kämpft gegen die
Hunde-Killer "Was ich in der Ukraine gesehen habe, läßt mich
nicht mehr schlafen", sagt Tierschützerin Christa Schechtl (45). Vor fünf Jahren
reiste sie zum ersten Mal nach Kiew, entdeckte "das Todeshaus von Budka", in dem
Zehntausende Katzen und Hunde bei lebendigem Leib enthäutet worden sind. Mit
Wissen der ukrainischen Regierung wurden die Felle zu Lederkleidung verarbeitet.
Dass Christa Schechtl trotzdem die Schließung der Tötungsfabrik durchsetzen
konnte, hält sie für ihren bisher größten Erfolg. Jetzt hat sie den Kampf gegen
die Hundeschlächter von Kiew aufgenommen. Wer sie mit Spenden unterstützen
will: Spendenkonto der Hypo-Vereinsbank München BLZ: 700 200
01 Kto: 6 850 850 850
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